April 5, 2009

Mal wieder ein Schulaufsatz…

Für mehr fehlt mir momentan einfach die Zeit und die Motivation…

Betrachtung der Aktualität eines der Gebote des Dekalogs

Das Gebot „Du sollst nicht stehlen!“ ist aufgrund seiner festen Verankerung im Bewusstsein unserer Gesellschaft nach wie vor von hoher Relevanz und Aktualität. Zwar beruht dies in erster Linie auf gesetzlichen Normen, aber bei einer tiefer gehenden Betrachtung ist es ersichtlich, dass diese weltlichen Regeln auf religiösen Betrachtungen beruhen, von diesen geformt wurden und dabei selbst die Religionen formten und formen, wodurch der Eindruck einer gegenseitigen Wechselwirkung entsteht.

Insofern ist eine einigermaßen objektive Betrachtung der Relevanz des Dekalogs für die heutige Zeit schwierig, da auch das Subjekt, der Betrachter, von den christlichen Grundsätzen, manifestiert im abendländischen Kulturkreis, geprägt ist und die Reflexion über die Religion oder den Dekalog vor allem eine Reflexion über sich selbst ist.

Sicher ist allerdings, dass vor allem der Verzicht auf das Stehlen, neben dem Verzicht auf das Töten, ein Fundament unserer heutigen liberal-marktwirtschaftlichen Gesellschaft ist und daher für die Menschen enorme Bedeutung besitzt.

Des Weiteren ist das Recht auf Eigentum und Schutz vor willkürlicher Entwendung in den Menschenrechten verankert, welche die Grundlage unseres Gesetzbuches und unserer Verfassung ausmachen, damit eine freiheitliche Entfaltung und Entwicklung der menschlich-individuellen Persönlichkeit möglich ist.

Dabei soll nicht über Rechtmäßigkeit und Gerechtigkeit, nicht über Politik oder Ökonomie nachgedacht werden, denn dies wäre ein zu weites und kontroverses Feld. Nähme man beispielsweise einen Marxisten, und würde ihn um eine Beurteilung bitten, so sähe die im Wesentlichen folgendermaßen aus: „ Die Anhäufung von Eigentum(Kapital) ist der Versuch der Bourgeoisie, den Kampf gegen das Proletariat widernatürlich hinauszuzögern, wo doch der Sieg der proletarischen Klasse ein historisch-notwendiger ist. Des Weiteren sind Moral und Religion überholte, weil historisch-materialistisch geprägte Begriffe. Mit dem Verschwinden der Klassengegensätze durch die Zerschlagung der Bourgeoisie sind somit auch die Religionen hinfällig und irrelevant.“ Diese etwas polemische Reduzierung offenbart dabei aber auch, wie weit dieses Feld des Weiterdebattierens, des Streitens und des Hass-Streuens wäre. In Hinblick auf die Wichtigkeit des Dekalogs ist dieses Argumentieren hingegen aussagekräftig, denn nur Wichtiges ist des Streites würdig.

Zu guter Letzt sei mir ein persönliches Statement hoffentlich nicht vergönnt, denn bisher sollte es vor allem eine allgemeine Beurteilung sein. In unserer heutigen Zeit sollte wieder mehr Augenmerk auf den Dekalog gelegt werden, da dies in letzter Zeit vernachlässigt wurde, wodurch Weltwirtschaftskrisen mitverschuldet wurden. Mag man dies dem Kapitalismus oder „den Banken-Haien“ in die Schuhe schieben, darauf möchte ich mich nicht beziehen. In meinen Augen handelt es sich eher um eine Vertrauensfrage, um das Vertrauen in Gott, welches nicht rational ist. Wichtig ist es daher, zu vertrauen, nicht zwangsläufig in Gott, sondern auch in den Menschen. Man muss daher den Glauben leben, bewusst den Glauben wagen, und wer, wie gesagt, nicht an Gott glaubt, mag dieses Vertrauen den Menschen seiner Umgebung schenken. Diese Kierkegaard’sche Betrachtung verdient auch und vor allem in Zeiten der Finanzkrise und Rezession Beachtung, zumal der Dekalog den Grundstein unserer Kommunikation und unseres Zusammenlebens bildet.

Sollten einige Sätze abgehackt wirken, so bitte ich das zu entschuldigen. Spät geschriebene Arbeiten sind oft nur für den verständlich, der es auch geschrieben hat.


ππ

Februar 28, 2009

Geld erzwitschern.

Scheinbar hat in den letzten Tagen – neben dem sinkenden Stern der CeBIT- nur ein Thema in der deutschen Web-Zwo-Punkt-Nulligkeit gegeben. Sowohl Faz, als auch Spiegel und Spreeblick (wo Twitter anscheinend das neue Apple ist) diskutierten, ob und wie der Webservice Twitter in Zukunft die in ihn investierten Millionen vervielfältigen könnte.

Doch das ist nicht die eigentliche Frage. Die eigentliche Frage ist, wie man selber Twitter nutzen kann um Geld zu verdienen. In den letzten Monaten hat die deutsche Twitterszene enormen Zulauf bekommen. Als ich im April letzten Jahres mit dem Spielzeug anfing, bestanden die Top40 (wie man beim Popkulturjunkie sieht) ausschließlich aus Privatpersonen und ein paar Blogs, wie Netzpolitik oder pl0gbar. Sascha Lobo, damals wie heute deutsches Internetmaskottchen und Erster in den Twittercharts hatte da 765 Follower. Anfang Februar waren es 4747, heute 5840. Und nicht nur die Masse, auch die Struktur hat sich grundlegend geändert (und ändert sich noch immer). Den schnellsten Zuwachs haben die Spiegel-Eilmeldungen. In den nunmehr Top75 befinden sich unter anderem TITANIC, Weltkompakt und andere Printerzeugnisse, dazu diverse Politiker (deren Erzeugnisse man gut zusammengefasst hier betrachten kann) inklusive wunderbarer Fake-Profile.

Diese Selbstvermarktung ist etwas, das nicht nur Medienmacher, ADS-Blogger und Politiker zu ihren Gunsten nutzen können. Gerade für größere, auf treue, am Produkt interessierte Kunden (also nicht unbedingt Aldi) angewiesene Unternehmen sind prädestiniert für Twitter. Man könnte behaupten, dass jedes Unternehmen, dass bloggt auch twittern sollte. Ich aber würde da deutlich weiter gehen. Firmenblogs sind oft unnötig, da die wenigsten Leute wirklich interessiert sind, sich lange Aufsätze ihrer Lieblingsmüslifirma durchzulesen. Twitter aber gibt die Möglichkeit, das Werbegefasel auf das einzuschränken, was tatsächlich interessiert: Rabatte, Neuigkeiten und kurze, witzig-authentische Äußerungen. Wholefoods, Dell, google: All diese Riesen twittern, teilweise sogar sehr personalisiert. Doch deutsche Firmen sind auf Twitter ziemlich unpräsent. Außer dem Kreuzfahrtunternehmen Aida, dessen neues Schiff twittert, fällt mir kein größeres deutsches Unternehmen ein, welches diesen Weg der Kundenkommunikation nutzt; womit wir den Amerikanern mal wieder ein wenig hinterherhinken. Ich bin aber sicher, dass sich das bald ändern wird, was mir die Chance geben wird, Links zu diesem Text dutzende Male mit “Hab ich doch gesagt” zu twittern.

Disclaimer: Aida ernährt meine Familie und hat schon für mehrere meiner schöneren Urlaubserinnerungen gesorgt. Außerdem finde ich Disclaimer kacke.


Februar 28, 2009

Sind Wörter, die man nur in der Schriftsprache benutzt, affektiert?

Ich rede nicht von Sprachmassakern wie dem schrecklichen “Schlussendlich”, sondern von eigentlich harmlosen Wörtern; die man nur eben eigentlich nicht aussprechen würde. Wörter wie “vielmehr”, “zumal”, “weiterhin” oder selbst “dennoch”. Oder eben “selbst”. Oder eben “eben”! Verdammt! Eigentlich sagen wir (Okay, sach ich) eh “halt” statt “eben”, “sogar” statt “selbst”.

Denn der Zwiebelfisch-Trend der letzten Jahre, die Genitivierung der Möchtegernbildungsspackos geht mir tierisch auf den Sack; denn das sind die Idioten, die zwar peinlich darauf achten “wegen” nur mit Genitiv zu verwenden (und vor zwei, drei hundert Jahren Gesichtserker statt Nase gesagt hätten), aber trotzdem “nicht wirklich” anstatt “eigentlich nicht” sagen. Deren Sprachfaschismus nicht anerezogenes Klassenbewusstsein ist, sondern nur Modeanpassung mit welcher sie sich auf der sozialen Treppe ihren Platz sichern wollen während sie aufzeigen, wie unterlegen ihnen die anderen sind.

Rant zu Ende. Ja, jetzt gehts mir besser. Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Ich werde versuchen, für beides einen guten Mix zu finden. Das macht meine Umgangssprache besser und meine Texte flüssiger. Auch wenns nicht leicht werden wird, das zu tun, ohne in die oben gedisste erwähnte Gruppe reinzurutschen.

(Christoph Kratistos)

Januar 22, 2009

Time to say goodbye

Endlich ist es soweit! Barack Obama ist Präsident und es folgte dann auch gleich ein erstes Dekret, welches die Schließung eines der berüchtigsten Folterlager der Welt betrifft.  Unser Schulinternat Guantanamo wird geschlossen, wenn dies auch ein Jahr dauern soll, wahrscheinlich um die ganzen Kadaver politischen Gefangenen aus dem Keller zu schaffen,  und die Politik Bushs ordentlich gebashed. Nebenbei wird auch die Anwendung gemeiner Foltermethoden wie water boarding, elektro-schocks und Mathe-Hausaufgaben verboten. Auf Seiten der Republikaner gab es dann auch gleich zahlreiche Proteste, Dick Cheney gab zum Besten, dass er das a) nicht “Foltern” nennen würde, es b) ohnehin nicht sonderlich schlimm sein würde und c) Obama ein naiver Narr ist, der die USA unnötig in Verschwörungs-Probleme bringt (in Bezug auf die Antiterrorpolitik von Bush).  Zeitgleich wurde beschlossen, dass die Armeen sich noch vor 2011 aus dem Irak zurück ziehen sollen.

Damit geht Obama seine Versprechen an, eine sehr löbliche und vielversprechende Tat, die begonnen wurde. Lässt sich nur noch hoffen, dass sie auch in die Tat umgesetzt wird. Ich heiße es auf jeden Fall gut, das ist doch schon mal was, oder?!

P.S. Wer sich an Verschwörungstheorien aufgeilen kann und zufällig Langeweile hat, dem lässt sich der Film Zeitgeist empfehlen. Mir wurde er empfohlen.  Bloß aufgeilen mag ich mich daran nicht.

ππ

Dezember 28, 2008

Ich mache dir eine Angebot, dass du nicht ablehnen kannst…

Danke, Don Vito. Es ist kurz nach drei und ich frage mich, warum ich eigentlich noch wach bin. Aber wie gesagt, ein unschlagbares Angebot. Und auch wenn ich mittlerweile sämtliche 2 Millionen Nebenrollen mitspielen und vorsprechen kann, werde ich mir immer den Paten ansehen, auch wenn dass heißt, bis in die frühen Morgenstunden vor der Glotze zu lungern und darauf zu warten, dass auf MDR oder Kabel 1 ein guter Film die langweilig-monoton geistraubende Abendunterhaltung ablöst. Zeitgleich müsste irgendwo bei RTL das Abmetzeln tausender Uruk-hais zu verfolgen sein. Mord und Totschlag. Ein Film von der guten Sorte eben.

ππ

Dezember 26, 2008

Ich fühle mich…

ein wenig wie der Grinch. Bloß ohne Haare. Und ohne grün. Aber mit Abscheu vor Weihnachten. Überall Kapitalismus, überall Heuchlerei. Das stört meinen inneren Möchtegern-Kommunisten-Schweinehund mächtig gewaltig. Allein der Spendenmarathon. Fällt den Leuten ja rechtzeitig ein, kurz, bevor das Christkind auf der Matte steht, noch ein wenig die Seele reinzukaufen. Wenn das Geld denn wenigstens bei den armen blinden, kranken, obdachlosen, gehbehinderten, bildungslosen Kindern ankommen würde. Ein Blick auf den Parkplatz sämtlicher UNICEF-Einrichtungen lässt uns dann auch sicher sein, dass das Geld sinnvoll verwendet wurde. Aber gut, muss wohl so sein. Wer sich auch über Weihnachten aufregen will, ist hier wohl an der richtigen Addresse.

Und Technophobie gibts obendrein gratis.

Aber naja ist ja jetzt zum Glück vorbei, nächstes Jahr wird eh alles besser…inklusive der üblichen Vorsätze.

ππ

Dezember 7, 2008

Ein seltsames, aber irgendwie interessantes Chatgespräch über ein Schulessay.

Paul [19:47 Uhr]:
muss nämlich noch eins schreiben
Paul [19:47 Uhr]:
bräuchte man n input
Kratistos [19:48 Uhr]:
über die überlegenheit des männlichen geschlechts?
Paul [19:49 Uhr]:
Thema: Bei Montaigne kann man lesen: “Ich habe auf dieser Welt kein ausgesprocheneres Ungeheuer und Wunder gesehen als mich selbst,- den Menschen.” Verfassen Sie ein Essay zum Thema : “Der Mensch – gesellschaftliches Produkt oder sich selbst gestaltendes Wesen?”! Beziehen Sie theoretische Überlegungen zur Aggressionsneigung des Menschen in ihren Essay mit ein!”
Paul [19:50 Uhr]:
was könnte man da schrebien
Kratistos [19:52 Uhr]:
Jack London – Seewolf – Larson – nietzsche – kampf mit monstern -
Paul [19:52 Uhr]:
wärst du dann für selbstbestimmung oder fehlender freier wille?
Kratistos [19:54 Uhr]:
selbstbestimmung, weil es die einzige möglichkeit ist, nicht an der welt zu verzweifeln.
Kratistos [19:54 Uhr]:
freiheit des selbstmordes, etc
Paul [19:54 Uhr]:
also so camus und so
Kratistos [19:54 Uhr]:
die btw durch die selbstversklavende gesellschaft aberkannt wird und als psychische krankheit klassifiziert wird.
Kratistos [19:55 Uhr]:
auflehnen gegen die gesellschaft, aber nicht allein des auflehnens an sich willens, sondern, weil sie tatsächlich schlecht ist – schlechter als alles andere außerhalb der eigenen existenz.
Paul [19:56 Uhr]:
hmm…und wie kann man da freud, lorenz reinbringen?
Kratistos [19:56 Uhr]:
muss man doch nicht.
Paul [19:56 Uhr]:
doch
Kratistos [19:56 Uhr]:
na dann:
Paul [19:56 Uhr]:
der part mit der aggressionsneigung
Kratistos [19:58 Uhr]:
auflehnen als echten, satanischen (befreienden!) trieb, der auch dunkle seiten hat; und des halb nicht auf freud’sche art als komplett “normal” dargestellt werden sollte, weil dies zu deterministisch sei; sondern eben auch der freiheit der wahl unterliege. “Ich muss meinen vater nicht essen.”
Paul [19:59 Uhr]:
hhmm…so weit so gut

November 9, 2008

Sommerfundstück

Wohl irgendwann zur EM entstand dieser Text und hat alle Routinemäßigen Löschungen überstanden. Entwurfstitel war “Ich möchte meine Jugend zurück”. Passt also. Ist zwar wieder nur so halbfertiges Zeug, aber besser als Nichts.

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“Lass uns doch mal was jugendliches machen” meint Peter doch recht kurz nach dem das unbehagliche Schweigen (TM) begonnen hat und wir zu viert zusehen, wie der Ball ins Aus rollt.
“Hm?”
“Naja, irgendwas, was unsere Generation definieren wird.”
“Augen-zu Konsum?” fragt Hannes.
Hannes ist selbsternannter Kommunist, aber das ist okay, immerhin sind seine Eltern Wessies und nach Uecker-Randow gezogen. Dort, wo jetzt polnische Studenten hinziehen, weil die Wohnungen 20% billiger sind als in Stettin. Außerdem ist er der einzige, der Ahnung von Fußball hat und damit unverzichtbar.
“Konsum… das ist so 80′er, Alter.” wirft Jean-Luc ein.
“Politische Korrektheit, weil wir glauben, dass sich das Ding ändert, wenn sich dessen Name ändert?
“90′er.”
“Kacke.”
“Sie haben uns unsere Jugend genommen. Stück für Stück.” beginnt Peter mit den funkelnden Augen eines Revolutionführers. “Sie hören unsere Musik. Sie tragen unsere Schuhe. Sie finden unseren Vandalismus okay, nennen es Street Art und verdienen Geld damit. Meine Mutter hat mich letztens gefragt, warum ich nicht mit ihr kiffen will. Meine Mutter!”
So sind wohl unsere Eltern. Kiffen, lassen sich duzen, aber geben ihren Kindern die Namen der Urgroßväter. Wenn man Glück hat. Sonst geht es einem wie Jean-Luc, dessen Eltern Klaus und Gerda Henke heißen.
“Weißt du… Eigentlich nehmen wir ihre Drogen. Wir tragen ihre Schuhe. Wir hören ihre Musik und importieren sie bei Itunes. Uns wird zwar erzählt, das Myspace und Youtube jeden kreativ werden lassen, aber schlussendlich ist fast nichts davon neu, sondern nur endlose, ironische Reproduktion popkultureller Scheiße.”
“Du hast schlussendlich gesagt.”
“Sprachfaschist.”
“BWL-Student.”
“Dem Dativ ist der Genitiv sein Tod-Käufer.”
“Junge-Union-Eintreter.”

Halbzeit.
Günther Netzer, der Helmut Kohl meiner Generation echauffiert sich. Peter geht pinkeln, so wie ca 40 Millionen andere Deutsche in diesem Moment.
Halbzeitende.

Oktober 25, 2008

Ein Essay.

Dieses Essay ist Produkt einer Schulaufgabe aus dem Sozi-Unterricht. Kratistos stellt seins vielleicht auch noch mal rein. Ach ja, die Aufgabe war, ein Essay zu der Aussage “Ungeheuer ist viel, doch nichts ist ungeheurer als der Mensch” zu schreiben und iwie Freud da rein zu basteln.  Ach ja ich bin kein Hellseher, die Wahl Obamas liegt zeitlich zwischen der Fertigung des Essays. ;)

Denkt ja nicht, dass ich mich mit jenem Ausspruch einleite, dass hat doch weder Stil noch Esprit. Ganz im Ernst, mir liegt wenig an vertrockneten Versen alter Tragödiendichter. Viel zu stereotyp, viel zu vorhersehbar in der Handlung. In die Zukunft soll’s gehen und doch, jener scheinbar weise Ausspruch des Chores lässt mich nachdenken. Ausnahmsweise. Doch wird er schnell von moderneren Sorgen verdrängt, die, typisch für unsere Gesellschaft, mir eigentlich egal sein dürften. Es geht um die USA, genauer um die Wahl des Präsidenten. Wird Obama gewinnen und damit eine der Faustregeln Amerikas brechen? Immerhin heißt das Weiße Haus nicht nur seines Anstriches wegen so. Oder wird Palin das Rennen für sich machen? Denn im Ernst, McCain wird doch höchstens noch ein Jahr überstehen. Ist ja toll, dass er Vietnam-Veteran ist, aber wer seine Arme nicht über Schultergürtelhöhe heben kann, dem fehlt auch sonst einiges an Gesundheit, zumal 72-jährig. Doch zurück zu Palin; denn das wäre, und nun muss ich schmunzeln, wirklich ungeheuer und zwar in jedweder Dimension. Denn diese zeichnet sich vor allem durch eines aus; Unwissenheit. Mag man drüber denken wie man will, aber die Hellste ist sie wirklich nicht. Dafür vom Schicksal mit Ironie geschlagen. Wahrhaft ungeheuerlich, dass Palin gegen Aufklärung und Abtreibung ist, wo doch ihre minderjährige Tochter geschwängert wurde. Aber immerhin, abgesehen davon, dass die Amerikaner zwischen gender-card und race-card wählen dürfen, wird auf jeden Fall eine Veränderung in Washington stattfinden, rein nominell gesehen natürlich. Denn auch eine Frau, das wäre neu, auch als Vice-President.

Politisch betrachtet dürfte sich bei einem Triumph der Republikaner, und das wäre ein wahrhaftes Schreckgespenst für alle Intellektuellen Europas und Amerikas, wenig verändern, die Zahl der erschossenen Soldaten dürfte steigen, genauso übrigens wie die Finanzdefizite. Überhaupt; in den letzten 20 Jahren war die einzige Regierung, welche ein Haushaltsplus vorweisen konnte, die unter Clinton, also eine demokratische.

Ob Obama eine politische Kehrtwende vollziehen kann, bleibt zwar wünschenswert, aber auch fraglich. Vor allem, weil ein riesiger internationaler Haufen von Studenten drauf und dran ist, einen neuen Messiaskult zu bewirken. Denn die Hoffnungen, die in Obama gesteckt werden, sind groß, ungeheuerlich groß, um genau zu sein.

Hoffnung als solche zeichnet sich vor allem durch Unfähigkeit des Hoffenden aus, wobei dies noch nicht einmal verachtend gemeint ist, obwohl Anlass dazu bestände. Hoffnung ist vielmehr krankhaft, grenzenloser Optimismus, gnadenlose Dummheit. Außer bei einem selbst, da ist’s legitim. Was mich von der Politik wegbringt, vielleicht glücklicherweise.

Also doch zurück zur veralteten Ungeheuerlichkeit, die gar keine ist. Menschen sind nicht wirklich ungeheuerlich, möglicherweise ungeheuer dämlich oder ungeheuer optimistisch, was aufs selbe hinaus läuft. Vielmehr versuchen Menschen ihrer Sinnlosigkeit zu entkommen, indem sie mystifizieren und die Tatsache, dass auch sie vom Affen abstammen bzw. selbst welche sind, verschleiern. Der Mensch als Krone der Schöpfung zeichnet sich bei genauer Betrachtung eigentlich nur durch seinen Verstand aus, und auch dass ist eher ein Ideal. Das einzige wirklich Ungeheuerliche ist der Glauben, der den Menschen zu Eigen ist. Über den Glauben als solchen mag man denken wie man will. Die meisten werden intervenieren wollen, aus reinem Selbsterhaltungstrieb, aber wenn die allgemeinen Beschönigungen weggelassen werden, sackt das Ungeheuer Mensch in sich zusammen. Dann nämlich muss sich der Mensch eingestehen, dass er nichtig ist. Sein Sein-Sinn doch aus dem Nichts zu stammen scheint und dorthin zu entlaufen droht und nicht einem Masterplan folgt. Dass viele Katastrophen nicht durch Gott beeinflusst werden, um uns, seine Ebenbilder, wie lächerlich das doch ist, wieder auf den rechten Weg zu führen. Denn nebenbei gesagt, ist der Mensch doch häufig sein eigener Richter und Henker. Fiele es sonst einer anderen Schöpfung dieses Planeten ein, mutwillig die eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören, nur des eigenen Vorteils wegen?

Der Mensch sollte endlich wagen, sich seines Verstandes zu bedienen, wie schon Kant meinte. Interessanterweise führte dieser Aufruf nur zur Verschlimmerung der Umstände, weswegen wir heutzutage in smokverseuchten Megacitys auf engstem Raume 20 Millionen Menschen zählen können. Wenn so die Vernunft des Menschen aussieht, dann zeigt dass nur, wie erbärmlich die Menschen doch sind. Es ist ja nicht verwerflich, wenn über einem ein Damoklesschwert baumelt, es selbst aber dort anzuhängen um so mehr. Es soll ja nicht gesagt sein, dass Menschen nur schlecht, unfähig und dumm sind, also etwas bessere Paviane; das wäre schlichtweg falsch. Natürlich gebührt vielen Werken Respekt und Hochachtung, und es ist ja auch der Glaube und Tatendrang, der sich in Bauten wie dem Kolosseum, dem Petersdom oder den Pyramiden von Gizeh manifestiert, wobei vor allem der Glaube den zahllosen Arbeitern schnell abhanden gekommen sein dürfte, angesichts der miesen Arbeitskonditionen.

Aber hier offenbart sich ein Problem, nämlich das des Antriebes.

Denn was trieb Menschen wie Papst Julius II. oder Cheops zu solchen wahnbehafteten Wünschen und was noch verwunderlicher scheint, warum ließen die zigtausenden Arbeiter das mit sich machen?
Nun die Antwort lässt sich wohl neben ökonomischen Vorteilen unter anderem auch im menschlichen Unterbewusstsein finden. Hier ist eine ewige Schlacht zwischen zwei Mächten zugange. Auf der einen Seite die kulturelle Oktroyierung des Über-Ichs, auf der anderen Seite die Macht der Triebe oder auch des Es, welche entweder neurotisch oder pervers ausgerichtet, nie aber ausgeglichen sind. Für tiefer gehende Betrachtungen mag man Freuds Werke zu Rate ziehen, mir widerstrebt es aus nahe liegenden Gründen, näher auf Freud einzugehen.

Wichtig für die Betrachtung der Ungeheuerlichkeit des Menschen, also seiner Fähigkeit, glauben zu können, scheint mir nur die Betrachtung der Ursachen desselben zu sein. So wird die Religion mit einer infantilen Neurose verglichen, resultierend aus den christlichen Grundsätzen, wenn man es beispielsweise auf die europäische Darstellung projizieren möchte. Liebe deinen Nächsten versetzt den Menschen in einen Zugzwang, eine nicht zu bewältigende Aufgabe treibt den Menschen in Gleichgültigkeit oder Selbsthass. So mag denn dies auch die Begründung für das Errichten obig genannter Prachtbauten sein. Ein Teil seiner Schuld abbüßen, oder seiner Belanglosigkeit entringen, auf jedem Fall dem Unbehagen in der Kultur zu begegnen.

Und wahrhaftig scheinen diese merkwürdigen Bedürfnisse, wie das unter- hunderten-von-Tonnen-eingemauert-Sein, Ausdruck dieses Widerstandes zu sein. Die Tatsache, nicht unter einem Meter Erde zu liegen, sondern über sich tausende Steine aufgestapelt zu haben, soll den Menschen ungeheuerliche Züge geben, die eben dort begraben sind. Ihren politischen Zweck erfüllen sie dabei auch noch, wenn denn zu Lebzeiten noch fertig gestellt, denn sie zeigen die Macht, die der Errichter über die Arbeiter hat. Diese nahmen meist unfreiwillig teil oder erhofften sich, wie im Fall von Gizeh, denn dort gabs keine Zwangsarbeiter, was erstaunlich anmutet, Anteil an dieser mystifizierenden Erhebung zu haben. So mag man denn an vielen Beispielen nachweisen, dass die Menschen aus unrationalen Gründen handelten und damit ihre Einfältigkeit verdeutlichten, was nicht heißen soll, dass reine Rationalität das Allheilmittel wäre. Diese wäre derart menschenverachtend, dass über kurz oder lang der Menschheit ein Ende beschaffen wäre.

Und so ist es vielleicht doch nicht schlecht und verachtenswert, dass sich die Menschen ihren Glauben als apartes Element bewahrten. Zwar wirken die Menschheit dadurch naiv und dumm, über das jeweilige Individuum als solches soll damit nicht geurteilt sein, aber für den Selbsterhalt mag diese Einfältigkeit nützlich sein.

Und manchmal manifestieren sich Hoffnung und Glauben eben doch in guten, glorreichen und klugen Taten. So lässt sich die Wahl Obamas zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten also solch eine gute Tat werten. Zwar ist damit nicht viel getan, weit größere Anstrengungen müssen unternommen werden, aber es ist ein Schritt, ein Schritt auf dem richtig anmutenden Weg. Wenn nur kein Messiaskult begründet wird, besteht nicht nur für das Volk Amerikas, sondern auch für die Europäer eine realistische Chance auf wahre Größe und Stärke, fernab von jeder Ungeheuerlichkeit, wodurch die Menschheit zum ersten Mal ungeheuerlich, weil unberechenbar, wirken würde. Dies kann, darf und muss das Ziel der Menschen sein, um sich selbst zu überwinden und dadurch einen Sinn zu geben.

Oktober 23, 2008

Chinese Democracy. Möff.

Nach 17 Jahren kommt nun anscheinend doch das Guns ‘n Roses Album Chinese Democracy, am 23ten November. Das ist gut. Oder?

Naja. Slash ist weg, Axl ist alt, die Single weiß nicht wirklich zu überzeugen und die Massenmedien scheinen das Ganze (noch) zu ignorieren. Immerhin wird wohl jeder Amerikaner aus Slash ne kostenlose Dr Pepper kriegen (die hatten da nen Deal). Einige Titel sind schon länger bekannt, andere, wie “What If” kamen erst in den letzten Wochen an die Öffentlichkeit (”What If” läuft am Ende von dem Film mit Pussy und Fatty und dem bekackten deutschen Namen; “Shackler’s Revenge” gibts im im September erschienenen in Rock Band 2).

Die bekannten Songs erreichen bei weitem nicht die Größe von November Rain, Don’t Cry oder Welcome to the Jungle, aber ich hoffe dennoch. Eigentlich sollte man sich freuen, dass Axl Rose a) noch lebt und b) tatsächlich echt noch ein Album rausgebracht hat.

Hier also Track-Liste. Cover-Art folgt.

01. Chinese Democracy
02. Shackler’s Revenge
03. Better
04. Street Of Dreams (Fans know of this being ‘The Blues’)
05. If The World
06. There Was A Time
07. Catcher N’ The Rye
08. Scraped
09. Riad N’ The Bedouins
10. Sorry
11. I.R.S.
12. Madagascar
13. This I Love
14. Prostitute

Hier noch eine Erinnerung an die ehemalige Grandiosität von Axl. Im Lederkilt. Mit Elton John. Zu Bohemian Rhapsody. In einem Meer von Zombies.