Dieses Essay ist Produkt einer Schulaufgabe aus dem Sozi-Unterricht. Kratistos stellt seins vielleicht auch noch mal rein. Ach ja, die Aufgabe war, ein Essay zu der Aussage „Ungeheuer ist viel, doch nichts ist ungeheurer als der Mensch“ zu schreiben und iwie Freud da rein zu basteln. Ach ja ich bin kein Hellseher, die Wahl Obamas liegt zeitlich zwischen der Fertigung des Essays.
Denkt ja nicht, dass ich mich mit jenem Ausspruch einleite, dass hat doch weder Stil noch Esprit. Ganz im Ernst, mir liegt wenig an vertrockneten Versen alter Tragödiendichter. Viel zu stereotyp, viel zu vorhersehbar in der Handlung. In die Zukunft soll’s gehen und doch, jener scheinbar weise Ausspruch des Chores lässt mich nachdenken. Ausnahmsweise. Doch wird er schnell von moderneren Sorgen verdrängt, die, typisch für unsere Gesellschaft, mir eigentlich egal sein dürften. Es geht um die USA, genauer um die Wahl des Präsidenten. Wird Obama gewinnen und damit eine der Faustregeln Amerikas brechen? Immerhin heißt das Weiße Haus nicht nur seines Anstriches wegen so. Oder wird Palin das Rennen für sich machen? Denn im Ernst, McCain wird doch höchstens noch ein Jahr überstehen. Ist ja toll, dass er Vietnam-Veteran ist, aber wer seine Arme nicht über Schultergürtelhöhe heben kann, dem fehlt auch sonst einiges an Gesundheit, zumal 72-jährig. Doch zurück zu Palin; denn das wäre, und nun muss ich schmunzeln, wirklich ungeheuer und zwar in jedweder Dimension. Denn diese zeichnet sich vor allem durch eines aus; Unwissenheit. Mag man drüber denken wie man will, aber die Hellste ist sie wirklich nicht. Dafür vom Schicksal mit Ironie geschlagen. Wahrhaft ungeheuerlich, dass Palin gegen Aufklärung und Abtreibung ist, wo doch ihre minderjährige Tochter geschwängert wurde. Aber immerhin, abgesehen davon, dass die Amerikaner zwischen gender-card und race-card wählen dürfen, wird auf jeden Fall eine Veränderung in Washington stattfinden, rein nominell gesehen natürlich. Denn auch eine Frau, das wäre neu, auch als Vice-President.
Politisch betrachtet dürfte sich bei einem Triumph der Republikaner, und das wäre ein wahrhaftes Schreckgespenst für alle Intellektuellen Europas und Amerikas, wenig verändern, die Zahl der erschossenen Soldaten dürfte steigen, genauso übrigens wie die Finanzdefizite. Überhaupt; in den letzten 20 Jahren war die einzige Regierung, welche ein Haushaltsplus vorweisen konnte, die unter Clinton, also eine demokratische.
Ob Obama eine politische Kehrtwende vollziehen kann, bleibt zwar wünschenswert, aber auch fraglich. Vor allem, weil ein riesiger internationaler Haufen von Studenten drauf und dran ist, einen neuen Messiaskult zu bewirken. Denn die Hoffnungen, die in Obama gesteckt werden, sind groß, ungeheuerlich groß, um genau zu sein.
Hoffnung als solche zeichnet sich vor allem durch Unfähigkeit des Hoffenden aus, wobei dies noch nicht einmal verachtend gemeint ist, obwohl Anlass dazu bestände. Hoffnung ist vielmehr krankhaft, grenzenloser Optimismus, gnadenlose Dummheit. Außer bei einem selbst, da ist’s legitim. Was mich von der Politik wegbringt, vielleicht glücklicherweise.
Also doch zurück zur veralteten Ungeheuerlichkeit, die gar keine ist. Menschen sind nicht wirklich ungeheuerlich, möglicherweise ungeheuer dämlich oder ungeheuer optimistisch, was aufs selbe hinaus läuft. Vielmehr versuchen Menschen ihrer Sinnlosigkeit zu entkommen, indem sie mystifizieren und die Tatsache, dass auch sie vom Affen abstammen bzw. selbst welche sind, verschleiern. Der Mensch als Krone der Schöpfung zeichnet sich bei genauer Betrachtung eigentlich nur durch seinen Verstand aus, und auch dass ist eher ein Ideal. Das einzige wirklich Ungeheuerliche ist der Glauben, der den Menschen zu Eigen ist. Über den Glauben als solchen mag man denken wie man will. Die meisten werden intervenieren wollen, aus reinem Selbsterhaltungstrieb, aber wenn die allgemeinen Beschönigungen weggelassen werden, sackt das Ungeheuer Mensch in sich zusammen. Dann nämlich muss sich der Mensch eingestehen, dass er nichtig ist. Sein Sein-Sinn doch aus dem Nichts zu stammen scheint und dorthin zu entlaufen droht und nicht einem Masterplan folgt. Dass viele Katastrophen nicht durch Gott beeinflusst werden, um uns, seine Ebenbilder, wie lächerlich das doch ist, wieder auf den rechten Weg zu führen. Denn nebenbei gesagt, ist der Mensch doch häufig sein eigener Richter und Henker. Fiele es sonst einer anderen Schöpfung dieses Planeten ein, mutwillig die eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören, nur des eigenen Vorteils wegen?
Der Mensch sollte endlich wagen, sich seines Verstandes zu bedienen, wie schon Kant meinte. Interessanterweise führte dieser Aufruf nur zur Verschlimmerung der Umstände, weswegen wir heutzutage in smokverseuchten Megacitys auf engstem Raume 20 Millionen Menschen zählen können. Wenn so die Vernunft des Menschen aussieht, dann zeigt dass nur, wie erbärmlich die Menschen doch sind. Es ist ja nicht verwerflich, wenn über einem ein Damoklesschwert baumelt, es selbst aber dort anzuhängen um so mehr. Es soll ja nicht gesagt sein, dass Menschen nur schlecht, unfähig und dumm sind, also etwas bessere Paviane; das wäre schlichtweg falsch. Natürlich gebührt vielen Werken Respekt und Hochachtung, und es ist ja auch der Glaube und Tatendrang, der sich in Bauten wie dem Kolosseum, dem Petersdom oder den Pyramiden von Gizeh manifestiert, wobei vor allem der Glaube den zahllosen Arbeitern schnell abhanden gekommen sein dürfte, angesichts der miesen Arbeitskonditionen.
Aber hier offenbart sich ein Problem, nämlich das des Antriebes.
Denn was trieb Menschen wie Papst Julius II. oder Cheops zu solchen wahnbehafteten Wünschen und was noch verwunderlicher scheint, warum ließen die zigtausenden Arbeiter das mit sich machen?
Nun die Antwort lässt sich wohl neben ökonomischen Vorteilen unter anderem auch im menschlichen Unterbewusstsein finden. Hier ist eine ewige Schlacht zwischen zwei Mächten zugange. Auf der einen Seite die kulturelle Oktroyierung des Über-Ichs, auf der anderen Seite die Macht der Triebe oder auch des Es, welche entweder neurotisch oder pervers ausgerichtet, nie aber ausgeglichen sind. Für tiefer gehende Betrachtungen mag man Freuds Werke zu Rate ziehen, mir widerstrebt es aus nahe liegenden Gründen, näher auf Freud einzugehen.Wichtig für die Betrachtung der Ungeheuerlichkeit des Menschen, also seiner Fähigkeit, glauben zu können, scheint mir nur die Betrachtung der Ursachen desselben zu sein. So wird die Religion mit einer infantilen Neurose verglichen, resultierend aus den christlichen Grundsätzen, wenn man es beispielsweise auf die europäische Darstellung projizieren möchte. Liebe deinen Nächsten versetzt den Menschen in einen Zugzwang, eine nicht zu bewältigende Aufgabe treibt den Menschen in Gleichgültigkeit oder Selbsthass. So mag denn dies auch die Begründung für das Errichten obig genannter Prachtbauten sein. Ein Teil seiner Schuld abbüßen, oder seiner Belanglosigkeit entringen, auf jedem Fall dem Unbehagen in der Kultur zu begegnen.
Und wahrhaftig scheinen diese merkwürdigen Bedürfnisse, wie das unter- hunderten-von-Tonnen-eingemauert-Sein, Ausdruck dieses Widerstandes zu sein. Die Tatsache, nicht unter einem Meter Erde zu liegen, sondern über sich tausende Steine aufgestapelt zu haben, soll den Menschen ungeheuerliche Züge geben, die eben dort begraben sind. Ihren politischen Zweck erfüllen sie dabei auch noch, wenn denn zu Lebzeiten noch fertig gestellt, denn sie zeigen die Macht, die der Errichter über die Arbeiter hat. Diese nahmen meist unfreiwillig teil oder erhofften sich, wie im Fall von Gizeh, denn dort gabs keine Zwangsarbeiter, was erstaunlich anmutet, Anteil an dieser mystifizierenden Erhebung zu haben. So mag man denn an vielen Beispielen nachweisen, dass die Menschen aus unrationalen Gründen handelten und damit ihre Einfältigkeit verdeutlichten, was nicht heißen soll, dass reine Rationalität das Allheilmittel wäre. Diese wäre derart menschenverachtend, dass über kurz oder lang der Menschheit ein Ende beschaffen wäre.
Und so ist es vielleicht doch nicht schlecht und verachtenswert, dass sich die Menschen ihren Glauben als apartes Element bewahrten. Zwar wirken die Menschheit dadurch naiv und dumm, über das jeweilige Individuum als solches soll damit nicht geurteilt sein, aber für den Selbsterhalt mag diese Einfältigkeit nützlich sein.
Und manchmal manifestieren sich Hoffnung und Glauben eben doch in guten, glorreichen und klugen Taten. So lässt sich die Wahl Obamas zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten also solch eine gute Tat werten. Zwar ist damit nicht viel getan, weit größere Anstrengungen müssen unternommen werden, aber es ist ein Schritt, ein Schritt auf dem richtig anmutenden Weg. Wenn nur kein Messiaskult begründet wird, besteht nicht nur für das Volk Amerikas, sondern auch für die Europäer eine realistische Chance auf wahre Größe und Stärke, fernab von jeder Ungeheuerlichkeit, wodurch die Menschheit zum ersten Mal ungeheuerlich, weil unberechenbar, wirken würde. Dies kann, darf und muss das Ziel der Menschen sein, um sich selbst zu überwinden und dadurch einen Sinn zu geben.
2 Kommentare
Dezember 17, 2008 um 6:00
Schön geschrieben, mich würde auch die Bewertung interessieren.
LG
Dezember 17, 2008 um 6:40
Vielen Dank, das hör ich gern
(streichelt mein ego
)
Joa ne glatte 1, also 14 Punkte. 15 warens nicht, weil zu sehr abgeschweift. Aber das ist okay.
LG