Scheinbar hat in den letzten Tagen – neben dem sinkenden Stern der CeBIT- nur ein Thema in der deutschen Web-Zwo-Punkt-Nulligkeit gegeben. Sowohl Faz, als auch Spiegel und Spreeblick (wo Twitter anscheinend das neue Apple ist) diskutierten, ob und wie der Webservice Twitter in Zukunft die in ihn investierten Millionen vervielfältigen könnte.
Doch das ist nicht die eigentliche Frage. Die eigentliche Frage ist, wie man selber Twitter nutzen kann um Geld zu verdienen. In den letzten Monaten hat die deutsche Twitterszene enormen Zulauf bekommen. Als ich im April letzten Jahres mit dem Spielzeug anfing, bestanden die Top40 (wie man beim Popkulturjunkie sieht) ausschließlich aus Privatpersonen und ein paar Blogs, wie Netzpolitik oder pl0gbar. Sascha Lobo, damals wie heute deutsches Internetmaskottchen und Erster in den Twittercharts hatte da 765 Follower. Anfang Februar waren es 4747, heute 5840. Und nicht nur die Masse, auch die Struktur hat sich grundlegend geändert (und ändert sich noch immer). Den schnellsten Zuwachs haben die Spiegel-Eilmeldungen. In den nunmehr Top75 befinden sich unter anderem TITANIC, Weltkompakt und andere Printerzeugnisse, dazu diverse Politiker (deren Erzeugnisse man gut zusammengefasst hier betrachten kann) inklusive wunderbarer Fake-Profile.
Diese Selbstvermarktung ist etwas, das nicht nur Medienmacher, ADS-Blogger und Politiker zu ihren Gunsten nutzen können. Gerade für größere, auf treue, am Produkt interessierte Kunden (also nicht unbedingt Aldi) angewiesene Unternehmen sind prädestiniert für Twitter. Man könnte behaupten, dass jedes Unternehmen, dass bloggt auch twittern sollte. Ich aber würde da deutlich weiter gehen. Firmenblogs sind oft unnötig, da die wenigsten Leute wirklich interessiert sind, sich lange Aufsätze ihrer Lieblingsmüslifirma durchzulesen. Twitter aber gibt die Möglichkeit, das Werbegefasel auf das einzuschränken, was tatsächlich interessiert: Rabatte, Neuigkeiten und kurze, witzig-authentische Äußerungen. Wholefoods, Dell, google: All diese Riesen twittern, teilweise sogar sehr personalisiert. Doch deutsche Firmen sind auf Twitter ziemlich unpräsent. Außer dem Kreuzfahrtunternehmen Aida, dessen neues Schiff twittert, fällt mir kein größeres deutsches Unternehmen ein, welches diesen Weg der Kundenkommunikation nutzt; womit wir den Amerikanern mal wieder ein wenig hinterherhinken. Ich bin aber sicher, dass sich das bald ändern wird, was mir die Chance geben wird, Links zu diesem Text dutzende Male mit „Hab ich doch gesagt“ zu twittern.
Disclaimer: Aida ernährt meine Familie und hat schon für mehrere meiner schöneren Urlaubserinnerungen gesorgt. Außerdem finde ich Disclaimer kacke.